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Auslandspraktikum 2008: Das Lächeln der Kinder von Cacuaco

Nach einjähriger Vorbereitung startete am 29.07.2008 um 14 Uhr 30 unser Flugzeug von Graz in Richtung Frankfurt um uns, Melanie Eberl und Philipp Wagner, Schüler der Schule für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege und Kinder- und Jugendlichenpflege des Landes Steiermark am LKH Univ. Klinikum Graz, von dort aus weiter über das Mittelmeer hinweg in den südwestlichen Teil Afrikas zu bringen. Zielort unseres Projektes „Auslandspraktikum 2008“ war das vom Bürgerkrieg erschütterte Land Angola.
Vier aufregende, spannende aber auch anstrengende und mit Neuigkeiten bepackte Wochen sollten auf uns warten.

Nach 14 Stunden Warte- und Flugzeiten wurden wir von Irmã Svonka und zwei weiteren Schwestern der FMA (Filhas de Maria Auxiliadora – Salesianas) am Flughafen in Luanda herzlich empfangen. Für die kommenden vier Wochen hatten die Salesianer - Schwestern Don Boscos für uns an unterschiedlichen Orten Unterkünfte organisiert, sie ermöglichten uns einerseits das Land Angola selbst aber auch die Arbeit, welche die Schwestern in Angola leisten näher kennen zu lernen, und wir hatten die Möglichkeit in einzelnen Bereichen selbst mit zu arbeiten. Nach dem Verladen von rund 70 Kilogramm Gepäck im Auto, darunter Verbandsmaterialien, Bastelsachen und Spielzeug folgte eine zweistündige Autofahrt in Richtung Norden, um in Cacuaco, einer Vorstadt von Luanda direkt am Meer gelegen, Quartier zu beziehen. Schon die ersten Eindrücke von Luanda und Cacuaco brachten uns einerseits ins Staunen und versetzten uns gleichzeitig aber auch in Erschütterung.

Müllberge, brennender Abfall, von Schlaglöchern zerstörte Straßen, und ein Verkehrschaos, dass seines Gleichen sucht, waren der Grund dafür. Mit Müll spielende Kinder, das Handeln mit sämtlichen Gütern des täglichen Lebens am Straßenrand und tausende Menschen, die an unserem Auto vorbeihuschten in Mitten dieser ungeordneten Situation, wir waren in einer anderen Welt. In Cacuaco folgte der erste Teil unserer Aufgaben während dieses Praktikums. In den folgenden zehn Tagen stand kreativer Unterricht mit den Kindern in Kleingruppen im Vordergrund. Gemeinsam mit vier anderen Volontären der „IniciativAngola“ aus Slowenien hatten wir in diesen ersten Tagen die Möglichkeit das Land, das Leben der Menschen, die Kultur und vor allem die portugiesische Sprache näher kennen zu lernen. Es ist sehr schwierig zu beschreiben, welch intensive Bindungen ganz speziell zu den Kindern in so kurzer Zeit entstanden sind. Den wohl schönsten Abschnitt unseres Praktikums erlebten wir in Cacuaco, da die Kinder uns in diesen Tagen sehr viel Freude bereitet haben und uns bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben werden. Man sieht einerseits wie sie in ärmsten Verhältnissen wohnen, gemeinsam mit ihrer Familie in einer Blech- oder Lehmhütte im Slumviertel von Cacuaco, und dennoch kommen sie jeden Vormittag, glücklich und lachend mit strahlenden Gesichtern zu uns in die Schule um gemeinsam zu singen, zu spielen und um zu basteln. Für diese kurze Zeit konnten wir für die Kinder eine „heile Welt“ hinter den Mauern des Schulzentrums schaffen, sie konnten die Umgebung, den Gestank des Mülls und ihre Sorgen vergessen. Mit einfachsten Mitteln war es uns möglich Kinder zum Lachen zu bringen, was für uns die wohl schönste Erfahrung in diesem Monat in Angola war.

Dennoch mussten wir nach 10 Tagen in Cacuaco Abschied nehmen von den Kindern, und von den Schwestern, die dort seit 20 Jahren leben und arbeiten und sich für ein Leben für die Kinder von Cacuaco entschieden haben, weit weg von ihrer Heimat und ihren Familien.

Unsere Reise führte uns weiter ins Landesinnere nach Luena. Luena ist die Hauptstadt der Provinz Moxico, wo der Krieg sehr heftig gewütet hat und zahlreiche Spuren hinterlassen hat. Die Anreise dorthin mit dem Auto führte uns über Straßen, die von Schlaglöchern nur so übersäht waren, 1270 Kilometer landeinwärts, 36 Stunden Autofahrt, nur selten asphaltierte Strassen, und immer wieder ausgebrannte
Fahrzeuge und Panzer am Straßenrand. Sind Sie schon mal auf Schotterstraßen von Graz nach Bregenz gefahren und wieder retour? Nein? Dann haben Sie nicht annähernd eine Ahnung wie wir uns gefühlt haben als wir geschüttelt und gerüttelt in Luena angekommen sind.

Die nächsten zweieinhalb Wochen standen im Zeichen der Medizin. Wir sollten einen Einblick in die Arbeit der Ärzte und Krankenschwestern/pfleger der Krankenstation (Centro de Saude) in Luena bekommen. Gemeinsam mit einer Ärztin aus Argentinien namens Lorenna, die seit 3 Jahren in Luena arbeitet, und zusammen mit einigen anderen einheimischen Krankenschwestern/pflegern haben wir jeden Tag ein anderes Dorf in der Umgebung der Provinzstadt besucht, um die dort lebenden Menschen medizinisch zu versorgen. Unsere Hauptaufgabe lag darin, die geplanten Impfungen mitzuorganisieren und durchzuführen. Diese Impfaktionen werden, so wurde es uns erzählt, vom Staat finanziert und unter angolanischer Vorgehensweise vom Personal der Krankenstation in den anliegenden Dörfern durchgeführt.

Man stelle sich folgendes vor: Sie kommen in ein Dorf, in dem die Einheimischen nur Chokwe, den Dialekt der Region, sprechen – Sie erklären dem Bürgermeister des
Dorfes, dass Sie gerne die Kinder und Frauen des Dorfes impfen möchten, dass dies gratis sei und vor allem wichtig für die Gesundheit des Dorfes – Der Dorfälteste stimmt zu und Sie beginnen mit Ihrer Arbeit – Sie beginnen damit Impfpässe auszufüllen und nach kurzer Zeit stellen Sie fest: Die Mutter weiß nicht wann die Kinder geboren sind, sie weiß nicht wer der Vater ist - da die Mutter sieben Kinder
hat, und fünf davon von verschiedenen Vätern. Weiters kann die Frau nicht schreiben und lesen - Sie stellen fest, das Dokument, das Sie soeben für diese Frau, die Ihnen gegenüber sitzt, ausfüllen, ist das erste Dokument, auf dem der Name des Kindes oder der Name der Frau steht. Es existiert keine Geburtsurkunde, kein Dokument, Nichts! Sie arbeiten dennoch weiter – Danach beginnen Sie die Frauen
einzeln aufzurufen und impfen sie und die Kinder nach angolanischer Methode – Sie suchen aus einer Kühlbox das passende Serum – Die Aufschrift ist nur noch erschwert zu lesen – Sie impfen die Frau und das Kind, sie bedankt sich von ganzen Herzen für Ihre Hilfe und verschwindet in ihr Dorf.

Zahlreiche Frauen und Kinder werden tagtäglich auf diese Art und Weise, unter den bestmöglichen Bedingungen in Angola, wahrscheinlich in ganz Afrika von Freiwilligen geimpft. Zusätzlich zu diesen Impfungen wurden auch für die Schwangeren Moskitonetze ausgeteilt, da Malaria eine sehr häufige Erkrankung in Angola ist. Die Krankenstation kümmert sich auch um Aufklärungsarbeit in den Dörfern, wir begleiteten einige Tage vier Krankenpfleger, die in Kleingruppen Frauen, Männer und Kinder über die Risiken von Aids (SIDA) und HIV (VIH) informieren. Wenn wir nicht gerade in den Dörfern unterwegs waren, so konnten wir uns in den Tagesablauf der Krankenstation in Luena integrieren, und daher war es uns möglich einen ganz guten Überblick über sämtliche Aufgabenbereiche des Personals zu
bekommen. Eine Untersuchung kostet in der von den Salesianern Don Boscos finanzierten Station für ein Kind einen Euro (100 Kwanza), für Erwachsene zwei Euro, die Untersuchung in einem Öffentlichen Spital kostet 50 Euro, was einem halben Monatslohn entspricht und für die Menschen vor Ort kaum leistbar ist, hinzu kommen die Kosten für Medikamente, Blutabnahme und Labor. Sehr oft kam es vor,
dass die Ärzte in der Krankenstation eine Erkrankung feststellten, diese aufgrund der beschränkten Mittel aber nicht behandeln konnten, und sie empfahlen den Patienten in das nächstgelegene Spital zu gehen. Jedoch wussten wir, dass die Person nie ins Spital gehen würde, da die Kosten für einen Aufenthalt nicht leistbar wären. Sehr schnell waren dann leider auch diese zwei Wochen unserer Reise vorbei, und der letzte Abschnitt unseres Abenteuers stand bevor. Der Rückflug von Luena nach Luanda, die anschließende Rückkehr in das Schulzentrum von Cacuaco, wo wir noch drei Tage verbringen wollten, um endgültig von den Kindern Abschied zu nehmen und, um uns ein wenig auf unsere Heimreise einzustimmen. Nachdem wir nach eineinhalb Tagen Wartezeit am Flughafen von Luena endlich Tickets für das einzige Flugzeug in dieser Zeit ergatterten, mussten wir feststellen:“ Unser Flugzeug ist ein russisches Frachtflugzeug, ohne Fenster, ohne Sitze!“ Nichtsdestotrotz nutzten wir die Möglichkeit, denn eine 36–stündige Rückfahrt mit dem Auto nach Luanda hätte uns unser Allerwertester wohl nie verziehen. Nachdem ca. 150 Angolaner und Angolanerinnen auf dem Boden, des doch schon in die Jahre gekommenen Frachtflugzeugs, Platz genommen hatten, war es dem russischen Piloten eine Ehre uns ins Cockpit einzuladen, wo wir auf zwei kleinen Campingsesseln Platz nahmen und den Flug mit einer Tasse frischem russischen Kaffee regelrecht genossen. Die letzten Tage nutzten wir noch um uns am Strand von Cacuaco mit den Fischern zu unterhalten, um Souvenirs für unsere Familien einzukaufen, und um uns von denKindern zu verabschieden, bis wir dann schließlich am 27. August von Schwester Svonka zum Flughafen von Luanda gebracht wurden, wo wir gegen Mitternacht in Richtung Wolkendecke steuerten und unsere Heimreise in eine wiederum andere Welt antraten. Dieses eine Monat in Angola war für uns wohl das größte Abenteuer unseres bisherigen Lebens, wir werden die Zeit gemeinsam mit den Schwestern der FMA, die ihr Leben den Kindern widmen, und ganz besonders die glücklichen Gesichter der Kinder immer in Erinnerung behalten. Es war für uns ganz besonders zu erfahren,
mit welcher Selbstverständlichkeit uns die Schwestern in den Don Bosco Zentren aufgenommen haben und wie viel Zeit sie sich genommen haben um uns einen schönen und lehrreichen Aufenthalt zu ermöglichen. An dieser Stelle möchten wir noch einigen Personen und Organisationen danken, die diese Reise, dieses Praktikum, dieses Abenteuer ermöglicht haben: unseren Familien, Freunden und Verwandten, die uns in unserem Vorhaben stets unterstützt haben, dem Verein „Iniciativ Angola“ aus Kärnten, ganz besonders Hanzej Rosenzopf, unserer Direktorin Frau Annemarie Trummer, dass sie dieses Praktikum über die Grenzen Europas hinaus genehmigt und stets unterstützt hat, herzlicher Dank gilt auch dem ÖGKV, der dieses Projekt sehr großzügig finanziell unterstützt hat, und den zahlreichen Sponsoren für Fußbälle, Gewand und Bastelsachen für die Kinder in Angola. Womit wir am Ende unserer Erzählung über die Reise angekommen wären, und diese mit folgendem Satz abschließen möchten:

„Das Beste,
was wir auf der Welt tun können,
ist Gutes tun,
fröhlich sein,
und die Spatzen pfeifen lassen!“
Don Bosco 1815 - 1888