Angola 2002 "Von Afrika lernen"
Zehn junge Menschen aus Kaernten verbrachten im Rahmen eines freiwilligen Voluntariats einen Monat in Angola, einem von Buergerkrieg und Elend schwer erschuetterten Land in Afrika. Ihre Taetigkeit bestand in erster Linie darin, den durch den (inzwischen vor kurzem beendeten) Krieg traumatisierten Kindern so etwas wie eine "glueckliche" Kindheit zurueckzugeben.
Was auf den ersten Blick etwas befremdlich anmutet, naemlich neben Baracken und Elendsquartieren mit Kindern zu spielen, entpuppt sich nach kurzem Nachdenken als sehr sinnvoll. Durch das Spiel, durch Lachen, entsteht Glueck und dieses Gefuehl ist hier selten. Die Menschen sind zwar nicht unmittelbar von Hunger betroffen, sie ver-hungern sozusagen gerade nicht. Die Lebensumstaende sind aber dennoch katastrophal: Infrastruktur ist nicht vorhanden, der Muell und Abwaesser verseuchen Boden und Wasser, Krankheiten sind an der Tagesordnung, die medizinische Versorgung oder ueberhaupt ein Sozialsystem existiert nicht. Die Lehre des Krieges bestand darin, dass es keinen Glauben an ein Morgen gibt - und hier setzte die Arbeit der jungen KaernterInnen an: wer sich wohl fuehlt und sich auf den naechsten Tag freut, der begreift das Morgen. In Angola, genauer in Cacuaco, einem Vorort der Hauptstadt Luanda etwas zu planen oder Grundbegriffe des Schutzes der Natur zu vermitteln scheitert bereits im Keim an genau diesem Umstand: wer jeden Tag damit beschaeftigt ist, seine unmittelbarsten Grundbeduerfnisse zu stillen, dem ist das Morgen schlicht und einfach gesagt egal. Ganz abgesehen davon - und diese Tatsache ist bei weitem nicht auf Angola oder Afrika beschraenkt - ist die Kindheit das Fundament jedes Menschen und jedes Lachen, das man in dieser Periode erhaelt, gibt man spaeter vielfach zurueck und ebenso verhaelt es sich umgekehrt mit negativen Erfahrungen. So zogen die zehn jeden Morgen und jeden Nachmittag aus der Don Bosco-Missionsstation der Salesianerschwestern inmitten der meist nur aus Laub, Blech oder Plastik (in unseren Augen Abfall) bestehenden "Huetten" aus und naehten, malten, sangen und spielten einfache Spiele. Das mag leicht klingen, sogar romantisch, doch verlangten der Andrang der Kinder und ihr Durst nach Aufmerksamkeit und das Chaos den jungen Voluntaeren viel ab. Alle Hilfsmittel wurden selbst mitgebracht und groesstenteils auch finanziert, die Spiele und Taetigkeiten selbst organisiert und vorbereitet. Zur Ueberwindung der Sprachbarriere (die Landessprache in Angola ist Portugiesisch) und des Chaos halfen einige einheimische Jugendliche mit, aus dieser Begegnung erwuchs mit der Zeit Freundschaft.
In den letzten zwei Wochen des Aufenthaltes, die genau in Zeit der Schulferien fielen, konnten die Voluntaere auch auf die Infrastruktur der dem Kloster angeschlossenen Schule zurueckgreifen, was den Umfang der Angebote erhoehte und auch die Abhaltung eines Englischkurses ermoeglichte. Der Andrang war auch hier enorm und der Lerneifer und die -freude erstaunlich. Wie ueberhaupt Angola oft zum Staunen Anlass gab: neben der unglaublichen Naturschoenheit und -vielfalt waren es vor allem die Freundlichkeit, Offenheit, das Auf-den-Anderen-Zugehen und -Eingehen der Menschen. Und diese Lebenslust der Menschen! Die Lust am Lachen! Hier ist Freundschaft kein leerer Begriff und nicht an Hintergedanken geknuepft. Auch was einige der Voluntaere erwartet hatten, naemlich die Projektion der Aengste und des Zorns der Bevoelkerung auf "Weisse" generell, blieb voellig aus. Natuerlich gab es Vorurteile und viel zu oft wird der "europaeische Weg" als gut und rchtig angesehen und leider eifern allzuviele junge Menschen den Idealen unserer schnellebigen und egozentrischen Konsumwelt und der Anhaeufung von materiellen Werten nach. Dabei wird nur allzuoft unsere Armut im Herzen uebersehen. In punkto Herz ist uns Afrika/Angola um Laengen voraus und nicht nur in dieser Hinsicht koennen wir viel von Afrika lernen.
Mitteregger Uwe
Angola 2.0
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