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Luanda / Zambo

von Dirk Hartung - Fre, 27. Juli 2012

27.7.2012 - Den Tag werde ich wohl nicht vergessen, zu extrem was ich heute sehen durfte.


Lunada, Hauptstadt Angolas


Zango 4 - das neueste Projekt der Schwestern Dom Boscos - Gehttogleich

Schließt einmal Eure Augen und stellt Euch vor, der Heinzl Fischer, oberster Österreicher, beschließt daß alle Häuser im 15. & 16. Wiener Gemeindebezirk abgerissen werden. Das reicht aber nicht, also nehmen wir doch alle anderen Häuser in Wien, mit Ausnahme des 1. Bezirks und Grinzing, dazu. Und was machen wir damit ? Wir markieren sie mit abstrusen Nummern. Heißt was ? Das sie abgerissen werden. Jawohl, mal einfach so abreißen und die Menschen umsiedeln.

Heute haben wir ca. 30km außerhalb Luandas ein Areal besichtigt auf dem in den nächsten Jahren insgesamt 1.000.000 Häuser entstehen, jedes besteht aus 2 Wohneinheiten. Also insgesamt 2.000.000 Familien finden dort ein neues Zuhause, ab sie wollen oder nicht. Ich, der Präsident, reiße Dein Haus ab und Du bekommst ein neues. Das Porjekt welches dort seit ca. 5 Monaten die ersten Einwohner hat nennt sich Zambo, wir waren heute in Zambo 4. Den Namen sollte man sich merken. Ich bin fest davon überzeugt daß dies der Auslöser des nächsten Bürgerkrieges sein könnte. Zambo heißt Ghetto.

Schon jetzt läßt sich die Dimension nur erahnen. Anscheinend werden dort unter den internationalen Konzernen Bauabschnitte von jeweils 3.000 Häusern vergeben. Jedes besteht aus 2 Wohneinheiten von 64 Quadratmetern. Ob die Häuser von brasilianischen oder chinesischen Konzernen gebaut wurden erkennt man eigentlich nur an der Größe der Fenster und Türen.

Die der Chinesen sind extrem klein, keine Ahnung wie man in deren Häuser Möbel bekommen soll.

Wie brutal unterschiedlich die auf den Baustellen herschenden Arbeitsbedingungen sind habe ich auch erfahren dürfen.

Die chinesischen Konzernen beschäftigen zu 90% Chinesen und zahlen den in Angola vorgeschriebenen Mindestlohn von ca. 90 US$.

Wir waren heute auf Visite beim neuesten Projekt der Schwestern. Dies besteht derzeit aus insgesamt 8 Häusern welche der brasilianische Konzern ODEBRECHT inklusive Ausstattung zu Verfügung gestellt hat. Ferner darf das Personal der Einrichtung täglich dreimal in der betriebseigenen Kantine essen. Dieser Konzern beschäftigt bis auf die Ingeneure ausschließlich angolanisches Personal, schafft also zigtausende Arbeitsplätze, und zahlt mindestens 270,-- US $, also den 3fachen Mindestlohn. Nicht das ich jetzt anfange ein Loblied zu singen auf daß was in Angola passiert, Zwangsumsiedlung damit mehr Platz für die Reichen ist kann man nur anklagen, aber der heute gespürte Ansatz eines sozialen Gewissens stimmt einen auch ein wenig positiv.

Das Projekt der Schwestern steht erst am Anfang, die Häuser in der unmittelbaren Nachbarschaft sind erst seit einigen Wochen bewohnt, täglich kommen mehr Interessenten für die angebotenen Kurse in Computerkunde, Musik, Zuckerbäckerei, Handarbeit und Englisch. Selbst jetzt, wo ich es selber gesehen habe, kann ich doch nur erahnen wieviel Hilfe dort notwendig sein wird.

Aber jeder Weg beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt, und dieser wurde schon erfolgreich absolviert.

Als Abwechslung vom Arbeitsalltag fuhren wir dann noch weiter an den Rio Kwanza, an die Stelle wo vor ca. 550 Jahren die Portugiesen (Nein, Kolumbus war nur Zweiter !) das Land betreten haben. Dort steht heute ein Wahlfahrtskirche. Ob zu Ehren der Portugiesen oder einem Heiligen kann ich nicht sagen. Unsagbar schön dort, auch auf den zweiten Blick nicht unbedingt als afrikanisch zu bezeichnen.

Der Markt jedoch in der nächsten Gemeinde, das war Afrika pur. Ein Platz an dem ich als Fotograf Tage verbringen könnte. Aber für richtig gute Fotos auch müßte: Denn die Einheimischen sind nicht so darauf aus dass der weiße Mann aus dem Auto aussteigt, seine Kamera in Anschlag bringt und reihenweise die Bewohner abschießt. Einige gute Aufnahmen aus dem Handgelenk und auch mit solche mit Erlaubnis sind aber doch entstanden.

Zurück in Luanda dann eine Runde Formel 1 schauen können, ich denke ich saß in Angolas edelsten Einkaufszentrum, quasi SCS Vösendorf für Reiche. Ich war so dekadent und habe  mir einen Cappuchino geleistet während die Mädels Schwarzbrot und sonstiges gekauft haben.

Jetzt sind wir zurück, ich habe mein Ticket für meinen morgigen Trip nach Benguela (5 Tage !), der Strom läuft und ich blogge mal eben den aktuellen Tagesablauf, fast live .....

Fotos

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